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Frühjahrstransport 2016

Reisebericht vom  09.04. – 16.04.2016

…und wieder ist ein Jahr vorbei. Kaum zu glauben, bevor man sich versieht steht man vor zwei beladenen LKWs und die Reise beginnt von vorn. Am Samstag, den 09.04.2016 des frühen Morgens, 8.00 Uhr begaben sich Werner Geyer, Georg Päßler, Andreas Dieterich und ich, Yvonne Dietz erneut auf unsere jährliche Tour  durch Rumänien. Natürlich wird der Start jeder Reise mit einem Foto dokumentiert. Auch in dieser, vor uns liegenden Woche, brachten wir neue Erlebnisse und Eindrücke mit, die ich in diesem Bericht beschreiben will.

Zunächst verlief die Fahrt, wie gewohnt, entlang der A 93 nach Passau, über die Grenze nach Österreich nach Linz, vorbei an der Hauptstadt Wien, in Richtung ungarische Grenze. Die Stimmung, in unserer WG auf Rädern, war gut. Wir besprachen einige Dinge über den Ablauf der kommenden Woche. Nach 1.100 km sind wir in dem kleinen Ort Berettyoujfalu, in Ungarn, kurz vor der rumänischen Grenze angekommen. Nach einem Tag Auto fahren wollten alle nur noch was Kleines essen und vor allem schlafen, denn am nächsten Morgen ging es früh los. In Rumänien wird die Uhr eine Stunde vorgestellt.

Sonntag, 10.04.2016

Nach dem Frühstück begaben wir uns nach Oradea, der ersten Stadt auf rumänischer Seite. Zunächst passierten wir die Grenze. Zum Glück verlief alles reibungslos. Danach erfolgten, bereits automatisierte Abläufe, erst Geld wechseln, dann noch einmal volltanken. Soweit, so gut, den Weg zur ersten Adresse kannte der Bus. Frau Major wartete bereits mit dem Kaffee auf uns. Wir luden die Pakete für den deutschen Kindergarten in Oradea aus uns plauderten einen Moment über alle Neuigkeiten. Dabei stellte sich heraus, dass es Frau Major gesundheitlich nicht besonders gut geht. Sie fühlte sich schlapp und kraftlos. Ihren Enkelsohn sehen wir nun seit einigen Jahren aufwachsen. Er ist inzwischen acht Jahre. Immer wenn wir zu Besuch sind, zeigt er stolz die neuen Errungenschaften aus der Spielzeugkiste.  Wollen wir hoffen, dass Frau Major viel Kraft von der Lebensfreude ihres Enkelsohnes gewinnen kann, so dass sie im kommenden Jahr wieder fit ist, wenn wir sie besuchen. Nach dieser kurzen Stärkung reisten wir weiter Richtung Braschov. Erneut lagen einige hunderte Kilometer vor uns. So ist das eben! Die ersten zwei Tage verbringt man mit fahren. Mit netten Leuten im Auto ist das jedoch kein Problem!

Wir hatten auch in diesem Frühjahr einige Pakete an Bord unseres Busses, namens Blaue Elise, die wir an diesem Sonntag, zwischen Mediasch und Braschov, ausluden (siehe Foto rechts).

Am Abend erreichten wir Prejmier, Nähe Braschov. Sony, unserer langjähriger Kontaktmann wartete bereits auf uns. Dies ist immer der erste Treffpunkt, an dem wir unsere LKW Fahrer wiedersehen. Nachdem wir zusammen, mit vielen Helfern den ersten LKW bis zur Hälfte abgeladen hatten, war es 23:30 Uhr. Alle waren müde, doch zuvor gab es das beste Essen der Welt, das worauf man sich schon Sonntag früh freut, wenn man in der ungarischen Pension die Augen aufschlägt. Sonys Frau Mimi hat, wie immer, vorzüglich gekocht.

Montag, 11.04.2016:

Bevor wir uns auf den Weg zurück nach Schellenberg (OT von Sibiu) machten, lud uns Sony ein das Hospiz, in Braschov zu besuchen. Dort wurden wir herzlich empfangen. Man nahm sich extra Zeit, all unsere neugierigen Fragen zu beantworten. Die Direktorin der Einrichtung dankte uns, auch im Namen ihrer MitarbeiterInnen, für unsere Hilfe. Das zeigt uns immer, die Wertschätzung unserer Arbeit gegenüber ist sehr hoch. Die finanziellen Mittel, für krebskranke Menschen in Rumänien, sind natürlich sehr viel niedriger, als in Deutschland. Aus diesem Grund werden auch hier Spenden benötigt. Trotzdem ist es schon ein Fortschritt, dass es zumindest schon mal ein Hospitz gibt. Viele Menschen leisten in dieser Einrichtung Pionierarbeit und haben diesen Job aus persönlicher Überzeugung gewählt, um kranke Menschen und deren Angehörigen zu unterstützen.

Im Anschluss fuhren wir nach Schellenberg (Sibiu). Dort wurden wir bereits voller Freude erwartet. Da wir uns aufgrund unseres spontanen Besuches im Hospiz Braschov etwas verspäteten, wurde in Schellenberg bereits fleißig abgeladen. Anschließend folgte natürlich der obligatorische Rundgang durch das Pfarrgut und die zuständige Psychologin der Einrichtung, Anna Faszakas berichtete uns über die Neuigkeiten. Es gibt nun eine Bewässerungsanlage, betrieben mit Regenwasser. Die Pflanzen können so  im Sommer einfacher bewässert werden. Die Kartoffeln waren bereits eingesetzt. Der Anbau von Gemüse und die Landwirtschaft gewinnen in Schellenberg immer mehr an Bedeutung. Die, dort lebenden Menschen erwerben auf diese Weise Kenntnisse und Fertigkeiten für die Hilfe zur Selbsthilfe. Um den Ausbau des Pfarrgutes, vor allem der Gemeinschaftsküche und weiterer Wohneinheiten, voranzutreiben fehlen nach wie vor die finanziellen Mittel. Wir werden den Stand der Dinge weiterhin begleiten.

Nachdem in Schellenberg alles besprochen und uns eine gute Weiterreise gewünscht wurde, erreichten wir gegen 20:00 Uhr den Pfarrhof in Mediasch. Dort angekommen,  neigte sich ein weiterer Tag unseres Hilfstransportes dem Ende, den Abend ließen wir gemütlich ausklingen, besprachen die gesammelten Eindrücke des Tages und überlegten was die kommenden Tage bringen werden.

Dienstag, 12.04.2016:

Morgens, 8:30 Uhr, nach der Andacht  warteten die Mitarbeiter des Pfarrhofes Mediasch schon darauf, mit uns zusammen den LKW abladen zu können. Die Begrüßung ist immer sehr herzlich. Das Abladen findet nun schon einige Jahr, fast immer in der gleichen Konstellation von Personen, statt. Aus diesem Grund gelingt es uns immer schneller, den LKW leer zu bekommen, so dass Silvio, der erste Fahrer die Heimreise antreten konnte.

Nun war es an der Zeit, sich mental schon mal auf die Reise in den Norden einzustellen, denn dort ticken die Uhren anders.

Doch keine Weiterreise ohne Besuch bei Frau Hartmann. So viel Zeit muss sein! Also fuhren wir nach Martinsdorf.

Was wir dieses Mal bei Frau Hartmann erleben durften, glich schon einem historischen Ereignis. Die einzigen, noch im Dorf lebenden drei sächsischen Damen, die einem Gesamtalter von etwa 240 Jahren entsprachen, saßen in Frau Hartmanns Küche vor uns. Das war großes Kino! So viel Lebenserfahrung gebündelt in diesem kleinen Raum lässt einen ehrfürchtig aufsehen.

Einen weiteren kleinen Stopp legten wir in Schäßburg, bei Theo Halmen, dem Stadtkantor ein, um Pakete für ein kleines Dorf abzugeben. Doch leider hatten wir keine Zeit für eine Pause zum Verweilen. Denn jetzt gab es kein Halten mehr. Auf geht es nach Manastiria Neamst! Das theologische Seminar erreichten wir am Abend, um 20:00 Uhr. Natürlich wurden wir schon erwartet und stärkten uns mit einem guten Abendbrot. Danach besuchten wir, wie immer unseren Freund, den Mönch Antonius, mit dem wir bis spät in die Nacht über das Leben und die aktuellen Weltgeschehnisse plauderten.

Mittwoch, 13.04.2016:

Am nächsten Morgen hieß es zum letzten Mal LKW (siehe Foto links) abladen. Unser Fahrer Micha machte sich dann auf die Heimreise. Auch in diesem Transport hatten wir Schulmöbel für die Jungen und Mädchen des theologischen Seminars im Gepäck. Das Inventar, welches aus den Schulen von Auerbach im Schützenhaus eingelagert war, wurde aufgelöst. Mit freundlicher Unterstützung von Herrn Kirsten (Fachbereichsleiter für Bildung, Soziales und Sport, in der Stadt Auerbach) konnten wir vor Ort effiziente Hilfe leisten und die Schülerinnen und Schüler können nun etwas bequemer den Unterricht verfolgen (siehe Fotos rechts).

Um keine lange Weile aufkommen zu lassen, machten wir uns auf den Weg nach Iasi, denn dort wartete unser Freund Gabriel bereits auf uns. Zusammen mit Frau Voiena, unsere Kontaktperson für die Kindereinrichtungen und einem Freund von Gabriel, der ins Englische und Deutsche übersetzen konnte, besuchten wir die Wohngemeinschaften, in denen Kinder und Jugendliche aus der Umgebung von Iasi untergebracht sind. Deren Eltern arbeiten zu einem Großteil im westlichen Ausland und lassen ihre Kinder in Rumänien zurück. Auf unsere Frage, warum das so ist, erklärte man uns, dass sie mit Schleuserbanden reisen, die Papiere abgenommen bekommen und in dem Land, in dem sie sich aufhalten keine Versicherungen und auch sonst keine Rechte haben. Diese ist natürlich nur eine von vielen Erklärungen.

Unser nächster Besuch führte uns mit Frau Voiena und unserem Übersetzer ins Tageszentrum Iasi. Hier leben 200 motorisch beeinträchtigte Kinder und Jugendliche, 150 stationär, 50 ambulant. Man berichtete uns, dass im Jahr 2020 die Einrichtung, wie sie derzeit besteht, aufgelöst werden soll. Es sollen fünf Wohneinheiten entstehen, in denen jeweils acht Kinder untergebracht werden. Die anderen Kinder sollen in ihre Familien zurückgeführt werden. Nun stellt sich automatisch die Frage: Wie soll das gelingen? Teilweise leben die Familien im Ausland oder sind mit den zu Hause lebenden Kindern bereits überfordert.

Lebensmittel und Dinge für den täglichen Bedarf sind natürlich im Tageszentrum immer herzlich willkommen.

Nach unserem Besuch in den Einrichtungen empfing uns Gabriel mit einem leckeren Abendbrot bei sich zu Hause.

Donnerstag, 14.04.2016

Auf in eine neue Runde!

Bevor wir uns an diesem Morgen von Iasi verabschiedeten, durften wir Zeugen einer Begegnung sein, wie man sie nicht alle Tage erlebt. Georg, der unseren Transport sehr still begleitete, fragte mich ob es möglich ist, die Familie zu treffen, der er und seine Familie seit mehr als 20 Jahren Pakete schicken. Gabriel organisierte ein Treffen (siehe Foto). Nun war es soweit. Am vereinbarten Treffpunkt in Iasi wartete die Frau auf uns. Sie war sichtlich gerührt und wie mir schien, etwas aufgeregt. Sie berichtete uns, dass sie alle Briefe aus den besagten Jahren in einer Kiste aufgehoben hat. Weiterhin erzählte sie, dass die Kinder nun groß sind und jeder einen Beruf gelernt hat, den er auch ausüben kann. Man kommt eben gerade so irgendwie über die Runden.

Unser letzter Weg führte uns nach Campulung zu unserer Kontaktperson Iliana um zu sehen, ob mit der Verteilung der Pakete alles geklappt hat. Doch zunächst hieß es erst einmal drei Stunden Autofahrt von Iasi in den Norden. Dort angekommen wurden wir mit einem prächtigen Mittagessen von Iliana versorgt. Im Anschluss klärten wir die Papiere. Nun war es endlich soweit. Ich freue mich immer auf den Augenblick endlich ins Kinderheim zu fahren. Diese ehrliche Freude der Kinder und die strahlenden Augen machen glücklich und zeigen warum man alles Beschriebene auf sich nimmt. Sobald eins der Kinder unseren Bus sieht, stürmen alle voller Erwartung an den Gartenzaun. Alle Kinder winken und die Freude ist groß.

Auch die Mitarbeiter dieses Kinderheims beschäftigen sich mit ähnlichen Problemen, wie bereits beschrieben. Kinder werden nachts von ihnen auf der Polizeiwache abgeholt, weil sie zurückgeblieben sind, während sich die Eltern ins Ausland abgesetzt haben. Oft werden Geschwister in einer Einrichtung untergebracht. An dem Tag unseres Besuches hatte ein Junge Geburtstag. Die Schwester, welche inzwischen ein eigenes Leben führt und eine Familie gegründet hat, besuchte ihn und brachte Kuchen mit. Die Wiedersehensfreude war sehr groß. Es war sehr bewegend zu sehen, wie eng die Bindung zwischen den beiden Geschwistern ist. Sie haben schließlich  nur einander.

Im Kinderheim Campulung wird vorrangig Kleidung, Hygieneartikel und Schulbedarf benötigt.

Wir fuhren mit allen gesammelten Eindrücken zurück ins Seminar und ließen dort den Abend ausklingen.

Freitag, 15.04.2016

Bevor wir die Heimreise in Richtung Oradea antraten, dachte ich mir, wir müssten uns die Lage im näheren Umfeld vom Seminar ansehen und uns einen aktuellen Überblick verschaffen, wie die Familien dort aufgestellt sind. Also machten wir uns, zusammen mit unserem Freund Antonius und einem weiteren Mönch auf den Weg ins Dorf Vanatori Neamst. Eine Lehrerin gab uns einige Adressen von Familien, die wir besuchten. Dieser Einblick war, wie erwartet, ernüchternd. Die Familie, die auf dem Bild zu sehen ist, lebt sechsköpfig in einer kleinen Hütte, dass heißt im Sommer leben sie vor dem Häuschen, denn darin ist gar kein Platz. Zwei Kinder schlafen jeweils in einem Bett. Es gibt kein Einkommen, außer 10,00 Euro Kindergeld pro Kind. Der Vater geht jeden Tag ins Dorf, um in der Kirche oder bei Privatpersonen zu fragen, ob sie eine Arbeit für ihn haben. Wir besuchten drei weitere Familien. Die Schicksale sind ähnlich. Teilweise sind die Mütter alleinerziehend. Die Kinder gehen alle zur Schule, denn die Eltern möchten, dass ihre Kinder die Möglichkeit haben durch Bildung ein besseres Leben zu führen.

Es ist an der Zeit „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Die Heimreise beginnt. Sieben Stunden Fahrt bis an die Grenze, welche wir 22:00 Uhr erreichten. In der Pension, in Ungarn angekommen, gab es nur noch Abendbrot und danach schlafen gehen.

Samstag, 16.04.2016

7:30 Uhr Start! Jetzt geht es nach Hause. Gesund und munter kamen wir im Vogtland an. Viel gesehen, viel erlebt, viel nachgedacht. Dies war der 10. Hilfstransport, den ich begleitete. Auch in diesem Jahr stellte ich wieder einmal fest, es geht meiner Familie und mir gut und wir müssen uns keine Gedanken um existenzielle Dinge machen.

Diese Welt hat genug von Allem für Alle. Es ist nur eine Frage der Umverteilung!

Yvonne Dietz

Öffentlichkeitsarbeit