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Frühjahrstransport 2015

 

Reisebericht Frühjahrstransport, vom 25.04. – 02.05. 2015

„Wenn Einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen!“, wenn Vier eine Reise antreten, könnte ein ganzes Buch entstehen, angenommen jeder Einzelne würde seine Eindrücke niederschreiben.

In diesem Frühjahr machte ich mich mit Werner Geyer und Georg Päsler aus Treuen sowie Mirko Franke aus Plauen auf den Weg Richtung Osten, nach Rumänien und Moldawien. Trotz aller Vorbereitung und Planung, einige Überraschungen warteten wie immer, auch in diesem Jahr auf uns.

Start war am 25.07.2015 um 7:30 Uhr ab Falkenstein und eine lange Fahrt von 1100 km bis an die ungarisch- rumänische Grenze stand uns bevor. Ankunft um 20:30 Uhr in Berettyoujfalu , wir wollten dann nur noch essen und schlafen.

Am Sonntagmorgen, 26.04.2015, 7:30 Uhr machten wir uns taufrisch auf den Weg nach Rumänien, mit dem ersten Stopp in der Grenzstadt Oradea bei Frau Major und ihrer Familie. Dort luden wir einige Päckchen aus unserem Bus aus. Es gab zur Stärkung einen Kaffee und der Enkelsohn, den wir nun schon seit einigen Jahren mit aufwachsen sehen, nutzte die Gelegenheit uns seine neusten Spielzeugmodelle vorzuführen.

Danach standen uns einige Stunden Autofahrt bevor. Zeit zum nachdenken und koordinieren: was müssen wir in dieser Woche alles erledigen? Zwischen Mediasch und Sibiu gibt es noch einige Familien, die Pakete von uns bekommen. Wir haben alles problemlos und zuverlässig abladen können und die kurzen Begegnungen mit den Menschen, die sich über ihr Paket freuen, machen mich persönlich sehr glücklich.

Weiterfahrt nach Prejmier bei Braschov, vor uns liegen noch zwei Stunden Autofahrt sodass wir gegen 19:00 Uhr ankamen. Dort erwartete uns eine besondere Situation. Unser Freund Sony, bei dem wir schon seit vielen Jahren Pakete zur Verteilung abliefern, feierte in diesen Tagen Goldene Hochzeit mit seiner Frau Mimi und wir waren eingeladen. Natürlich gab es vom Verein Glückwünsche und ein Geschenk. Nachdem der LKW abgeladen war feierten wir dieses schöne Ereignis und wieder neigte sich ein Tag dem Ende.

Inzwischen haben wir Montagmorgen, 27. 04 2015. Ein langer ereignisreicher Tag wartet auf uns und nach dem reichhaltigen Frühstück sowie dem Erledigen der Papiere reisten wir weiter Richtung Sibiu, Ortsteil Schellenberg. Bei unserer Ankunft gegen 10:30 Uhr wurden wir herzlich empfangen. Man glaubt oft gar nicht, was in einem Jahr alles passiert. Eine junge Familie ist ausgezogen, weil der Papa Arbeit bekommen hat und sich nun selbst um seine kleine Familie kümmern möchte. Das hat uns sehr gefreut, denn genau das ist die Idee des Projektes Schellenberg. Die Leute kommen dorthin um sich eine Weile zu stabilisieren und neue Kraft zu sammeln. Anschließend können sie weiterziehen und sich selbst versorgen. Leider müssen auch die beiden Rentner Herr und Frau Schmidt ausziehen. Das ist schade und Frau Schmidt war auch sehr traurig. Der Grund ist, dass Herr Schmidt gesundheitlich nicht stabil ist. Deshalb wurde befunden, dass sie in ein Altersheim gehen, da man sich dort besser um sie kümmern kann.

Doch natürlich gab es auch Zuwachs auf dem alten Pfarrhof. Eine Familie mit zwei Söhnen ist eingezogen und bringt sich nun in die Gemeinschaft ein. Wir stellten auch in diesem Jahr wieder fest, dass unsere Hilfsgüter herzlich willkommen sind und nicht als selbstverständlich aufgenommen werden. Dies motiviert uns natürlich das Projekt Schellenberg weiter zu unterstützen.

Aufgrund dessen, dass Dr. Armean seine Pakete in Schellenberg abholte (sonst trafen wir uns immer Sonntagabend am Rande der Stadt Sibiu), konnten wir Zeit sparen und nutzten die Gelegenheit mit der zuständigen Sozialpädagogin des Offenen Hauses, Monika, die Einrichtung anzusehen und die Kinder zu besuchen. Als wir dort ankamen, saßen alle Kinder am Tisch, malten und bastelten. So etwas gibt es tatsächlich noch, keine Computerspiele. Die Kinder sind mit einfachen Dingen zufrieden. Hier zählt die Gemeinschaft!

Am zeitigen Abend trafen wir Anne, die zuständige Psychologin von Schellenberg noch einmal im Zentrum der Stadt um die Papiere zu erledigen und uns zu verabschieden. Im Anschluss ging es weiter nach Mediasch, 20:00 Uhr kamen wir im Pfarrgelände an unser LKW war auch schon da und wir konnten den Abend in Ruhe ausklingen lassen. Denn am Dienstagmorgen, 28.04.2015 um 8:00 Uhr, nach dem Frühstück hieß es Abladen des LKW`s. An dieser Stelle sei zu bemerken, dass an allen Stationen ein reibungsloses Abladen gewährleistet ist. Alle Vorbereitungen sind getroffen, wenn wir ankommen und es kann immer sofort losgehen. Gegen 10:00 Uhr ist der LKW leer und nach einer kurzen Verschnaufpause und einem Gespräch mit Frau Servazius, der zuständigen Pfarrerin der Kirchgemeinde Mediasch geht es weiter, denn wir hatten an diesem Tag noch einen langen Weg vor uns. Außerdem stand noch einen Besuch bei Frau Hartmann, in Martinsdorf, zwischen Mediasch und Sibiu, aus, den wir uns nie entgehen lassen bevor wir die Reise in den Norden antreten.

Gegen 19:30 Uhr erreichten wir das theologische Seminar und konnten unseren Freund, den Mönch Antonius noch besuchen. Unser zweiter LKW- Fahrer war bereits angekommen und wartete auf uns. Er fuhr über Iasi und lud dort bereits die Pakete ab. Wir sind immer froh, wenn wir uns während dieser Woche an einer Station treffen und es jedem gut geht. Ich finde es sehr wichtig während einer solchen Fahrt aufeinander zu achten. Mittwochmorgen, 29.04.2015, hieß es zum letzten Mal abladen. Nun sind beide LKW`s leer und können die Heimreise antreten. Wir reisten weiter nach Iasi und unser spannendster Auftrag wartete in Moldawien auf uns. Doch zunächst trafen wir in Iasi unseren Freund Gabriel, der bereits viele Pakete verteilt hatte. Am Abend lud er uns zu sich nach Hause ein, wir erledigten die Papiere und verbrachten einen gemütlichen Abend zusammen, erzählten über das Leben außerdem interessiert mich immer die aktuelle gesellschaftliche und politische Lage des Landes. Donnerstagmorgen, 01.05.2015, 8:00 Uhr, nach dem Frühstück, es war endlich soweit. Gabriel war aufgeregter als wir. Nach dem Frühstück begleitete er uns noch ein Stück Richtung moldawische Grenze. Ab jetzt mussten wir auf uns selbst vertrauen. Wir hatten Geschenke für einige Familien dabei. Geschenke deshalb, weil Torsten Heckel und Marko Bardtenschlager aus ihren Erfahrungen vom Herbsttransport den Hinweis gaben, die Lebensmittel als Geschenke einzupacken, dann könnte man sie ohne Bedenken mit über die Grenze nehmen. Doch alles sollte anders kommen. An unseren Reisepässen gab es nichts auszusetzen. Der rumänische Zoll öffnete bereits ein Paket. Das fanden die Kollegen vom moldawischen Zoll recht spannend. Die gesamte Aktion am moldawischen Zoll sollte uns mit weiterer Öffnung sämtlicher Pakete fast zwei Stunden unserer wertvollen Zeit kosten. Endlich wurden auch Unterlagen gefunden, die wir angeblich nicht dabei hatten, im Herbst jedoch auch keinen interessierten. Um den Rahmen des Reiseberichtes nicht zu sprengen, habe ich aus diesem Grund eine extra Geschichte mit dem Titel „Grenzerfahrung“ geschrieben.

In der moldawischen Stadt Balti angekommen, trafen wir unseren Kontaktmann Haim Bilga, ein Mitglied der jüdischen Gemeinde. Er kümmert sich um bedürftige Familien. Die Zustände, die wir dort vorfanden und die Wohnumgebungen, in denen die Kinder aufwachsen sind mit Worten nicht zu beschreiben. Ich will versuchen das Gesehene kurz wiederzugeben. Eine Oma lebt beispielsweise mit ihren Enkelkindern und einer Tochter mit Downsyndrom allein in einer trostlosen Neubauwohnung. Die Mutter der beiden Jungs, 3 und 5 Jahre, sprich die zweite Tochter ist verstorben. Es steht ein Einkommen von 35,- € monatlich zur Verfügung. Das muss man nicht rechnen, auch bei niedrigeren Lebenshaltungskosten kann ein vierköpfiger Haushalt davon nicht leben. Aus diesem Grund wurde die Heizung in der Wohnung still gelegt, da die Heizkosten nicht bezahlt werden konnten. Es gibt ein kleines Gartengrundstück. Im Sommer verbringen alle viel Zeit dort und die Oma baut für den Eigenbedarf Gemüse an.

Eine weitere Familie, bestehend aus einer alleinerziehenden Mutter und vier Kindern, lebt zu fünft auf engem Raum. Privatsphäre gibt es keine. Jeweils zwei Kinder teilen sich eine kleine Kammer, die Räume stehen alle offen, es regnet zum Dach rein. Für alle Kinder gibt es einen Schreibtisch für die Erledigung der Hausaufgaben. Eine der Töchter wurde bei unserer Ankunft gerade schick gemacht weil sie ein Klavierkonzert hatte. Es ist bewundernswert mit welcher Hingabe die Erziehungsberechtigten die Talente ihrer Kinder fördern und sie ermutigen, trotz aller Umstände, fleißig zu lernen. Am Ende sahen wir uns noch ein Ferienlager am Rande der Stadt an. Auch hier konnten wir nicht glauben was wir sahen. Ein Ehepaar war zuständig für 4 ha Grünland und einige Baracken, die sie für die Kinder herrichteten, welche sich im Zeitraum von Juni bis September in verschiedenen Gruppen dort aufhielten, um Ferien zu machen. Unter anderem kommen kriegstraumatisierte Kinder aus der benachbarten Ukraine in das Camp um einige Tage ihre Sorgen zu vergessen.

Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren als wir ankamen. Die Schlafräume für die Kinder wurden mit einfachsten Mitteln zurecht gemacht. Zwischen acht und zehn Kinder schlafen in einem Zimmer. Außerdem gibt es Gemeinschaftsräume wie den Speisesaal und Bastelräume, wo alle Kinder zusammen kommen um sich auszutauschen, basteln und spielen zu können. Voller Stolz zeigten uns die beiden die Einrichtung. Mit wenig Mitteln wurde bereits einiges geschafft.

Ein Tag, an dem sich die Eindrücke überschlugen, neigte sich dem Ende und wir traten die Rückreise in Richtung Grenze an, in der Hoffnung entsprechende Prozeduren nicht wieder über uns ergehen lassen zu müssen. Alles ging gut. Wir fuhren zurück nach Iasi um unseren Freund Gabriel noch zu verabschieden. Anschließend reisten wir zurück nach Manastiria Neamt, ins theologische Seminar. Freitagmorgen, 01.05.2015 unser letzter Tag. Wir begaben uns auf die Heimreise. Doch zunächst brachen wir Richtung Norden, nach Campulung auf um die Kinder im Kinderheim zu besuchen und unserer Kontaktfrau Iliana „Hallo“ zu sagen. Dort wurde aufwändig für uns gekocht. Es werden keine Mühen gescheut um uns für die Rückreis gut zu versorgen.

Angekommen im Kinderheim ist die Freude immer sehr groß weil  wir „Westschokolade“ dabei haben. Wir kamen damit nicht zur Haustür rein, alles wurde vorher aufgefuttert. Außerdem gab es einen Ball und eine kleine Schubkarre in einer Plastiktüte. Man kann sich nicht vorstellen welche Freude die Kinder hatten, die Spielsachen in Beschlag zu nehmen und jeder wollte natürlich der Erste sein um damit zu spielen. Die Leiterin Craziella berichtete uns, dass es pro Kind nun etwas mehr Geld gibt. Somit müssen wir das Kinderheim nicht mehr mit Lebensmittel ausstatten. Schulsachen und Kleidung sind trotzdem weiterhin notwendig. Außerdem erzählte sie uns von den Schicksalen der neu angekommenen Kinder. Oft werden sie von ihren Eltern zurückgelassen, wenn diese sich auf den Weg in Richtung Westen machen. Wenn ein Nachbar ein Kind findet, informiert er die Polizei, anschließend werden sie ins Kinderheim gebracht, vorausgesetzt es ist ein Platz frei. Es wird immer darauf geachtet, dass Geschwisterkinder zusammen bleiben können. Wir verabschiedeten uns, denn ein langer Weg lag vor uns.

Unsere Reise sollte uns nun ein Stück weiter Richtung Heimat bringen. Wir brachen nach Oradea auf. In Ungarn bekamen wir wieder eine Stunde geschenkt. So erreichten wir die Pension gegen 22:00 Uhr. Samstag, 02.05.2015, 1100 km Heimreise durch Ungarn und Österreich stehen auf dem Programm. An diesem Tag wird meistens nicht viel gesprochen weil jeder bereits damit beschäftigt ist seine Eindrücke zu verarbeiten und die erlebte Woche wie einen Film rückwärts laufen zu lassen.

Zum neunten Mal begleitete ich nun den Hilfstransport. Nie ist ein Transport wie der andere. Wir waren auch dieses Mal froh, wieder heil zu Hause angekommen zu sein und unseren Liebsten die Neuigkeiten aus dem Osten zu erzählen.

Yvonne  Dietz (Öffentlichkeitsarbeit)